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Unterwegs        
         
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Aus 'screen daily' vom 2. Februar 2004 - by Jonathan Romney:

[...] Writer-director Kruger tests our perceptions, since we begin the film seeing Marco through the suspicious couple's eyes, but increasingly wonder about their own characters and the state of their relationship; their view of Marco and his Polish friends also casts light on their insularity and xenophobia. Meanwhile we see Marco's enigmas and contradictions in a more nuanced light, although the young man's true nature and motivations remain elusive. With both partners influenced driven by an erotic connection to Marco, whether attraction or rivalry, a party in a deserted house ends with Benni's own unrest expressing itself - the one scene in the film that faintly stretches plausibility.

The acting is uniformly excellent, especially from Kiefer as the ambivalent and alluring Marco, and from Lachatte as a woman trying hard to maintain a facade of maternal control. In an understated but crucial role, Beyerling is impressive as the child who is both the quiet centre and the pawn in the triangle's psychological manoeuvring.

While the film does not radically depart from familiar psycho-drama territory, and stylistically has a somewhat televisual feel, Kruger is nevertheless in absolute command of his material, making for tense, intelligent viewing. The realism benefits from an interesting use of mundane locales - campsite, shipyard, beach - and the time scheme is used to unsettlingly elastic effect.
         
Aus 'RBB online - zur 54. Berlinale:

Man hatte sie dort vermutet, die kleine Perle der Sektion 'Perspektive Deutsches Kino'. Denn grundlos wird kein Film mit dem Rotterdammer 'Tiger Award' für den besten Nachwuchsfilm ausgezeichnet. Mit Spannung durfte man daher 'Unterwegs' erwarten, den ersten Spielfilm des 1973 geborenen Regisseurs Jan Krüger.

Der Film hat der Perspektive ihren heimlichen Titel gegeben. Wie in vielen Filmen deutscher Nachwuchsregisseure, die dieses Jahr auf der Berlinale zu sehen sind, befinden sich auch die Hauptfiguren in 'Unterwegs' auf Reisen. Das ist nur in erster Linie wortwörtlich zu verstehen: Sandra macht mit ihrer fast siebenjährigen Tochter und ihrem Freund Benni auf einem abgelegenen Campingplatz in Brandenburg Urlaub. Als sie den offenbar um einige Jahre jüngeren Marco kennen lernen, überredet dieser sie, an die polnische Ostseeküste zu fahren. Und so machen sich die vier Menschen, zwischen denen sich eine Freundschaft zu entwickeln scheint, wieder auf den Weg. Dabei stoßen die Hauptfiguren an Grenzen, die ebenso fraglos akzeptiert wie gedankenlos überschritten werden, zumindest was Sandra und Marco angeht.

Sandra folgt einem unbestimmten Gefühl, über dessen Herkunft nichts verraten wird. Von Marco erst einmal auf den Weg gebracht, wandert sie zunehmend haltlos durch ihre kleine Welt, lange begleitet von Benni, der ihr am Ende aber nicht mehr folgen kann und will. Dass mit Marco etwas nicht stimmt, weiß man vom ersten Augenblick. Unklar ist lange, was er überhaupt von den beiden will. Will er Benni oder Sandra oder 'nur' die Freundschaft mit Sandras Tochter Jule, die er mit seinen Prinzessinnen-Geschichten verzaubert? Dass der Film die homoerotischen Schwingungen beider so herrlich unstereotypen Männerfiguren einfach klingen lässt, ist nur einer der großen Momente in diesen 80 Minuten.

Der Mut, nicht alles zu erklären, ambivalente Figuren wie Marco nicht auf eine Seite zu ziehen, sondern es dem Zuschauer zu überlassen, sich einen Reim auf die Ereignisse zu mache, zeichnen Krügers Film aus. Von einigen unmotivierten Einstellungen und einer Handvoll rüder Schnitte abgesehen, wurde in 'Unterwegs' ein Potential deutlich, von dem man in den nächsten Jahren hoffentlich noch weitere Geschichten zu sehen bekommt.

Den Film angesehen hat sich für Sie Melanie Wieland.

Quelle: http://berlinale.sfb.de/film.php?film_id=35
 
Aus dem Kölner Stadtanzeiger vom 18.2.04 - von Alexandra Wach:

[...]
Mit 'Unterwegs' ist Krüger ein stimmungsvolles Roadmovie gelungen, dem man Glück, einen Verleiher und Zuschauer wünscht. Es erzählt die Geschichte einer klassischen Ménage à trois zwischen einer Frau und zwei Männern: Ein Pärchen mit Kind begegnet beim Campen irgendwo in Ostdeutschland einem jungen Mann. Der überredet sie zur Weiterfahrt an die polnische Ostsee. Mal erscheint der sinistre Eindringling als Verführer, mal als ein Suchender, der sich nach Geborgenheit und einem Zuhause sehnt. Eine rätselhafte Unruhe durchdringt die Gesichter der Figuren, allen voran das von Anabelle Lachatte, die eine veritable Entdeckung ist. Der Trip gen Osten, den die drei aufnehmen, ist sichtbar eine Reise in die eigenen Sehnsüchte und Wünsche.

"An »Unterwegs« hat mich interessiert, dass die Geschichte ohne äußere Zwänge auskommt, sich allein aus dem Geheimnis der Figuren entwickelt. Die gemeinsame Reise schafft eigene Bedürfnisse und Regeln, denen sich die Protagonisten schließlich stellen müssen", erzählt Krüger. Das harmonische Zusammensein des Paares bringt der Fremde gründlich ins Wanken. In markanten Momentaufnahmen zeigt der Film, wie das zerbrechliche Beziehungsgeflecht allmählich eskaliert - doch das große Drama bleibt aus. Diese lakonische Osten-Ballade taucht die Kamera von Bernadette Paassen in verblasste grau-weiß-blaue Töne. Mit großer Intensität verbindet Krüger seine psychologische Studie mit einer nie überladenen filmischen Optik. Sie glättet das Raue nicht, lässt aber hier und da kurze Glücksmomente aufblitzen. Einfach und zugleich raffiniert, echt und eigenwillig kommt der Film daher - und das ist schon viel im jungen deutschen Film.
         
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